Blasorchester der Kolpingsfamilie Oberwesel am Mittelrhein (UNESCO Weltkulturerbe) im Tal der Loreley / zur Startseite


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Seit 80 Jahren ist die Blasmusik Trumpf

(12.08.2007) Blasorchester der Kolpingsfamilie feiert rundes Jubiläum

Am 18. und 19. August feiert das Blasorchester der Kolpingsfamilie Oberwesel sein 80-jähriges Bestehen. An diesen beiden Tagen wird der Adolph-Kolping-Platz ganz im Zeichen der Musik stehen. Die Feierlichkeiten beginnen am Samstag um 18 Uhr mit einem Jugendgottesdienst in der Liebfrauenkirche, gestaltet vom Jugendorchester sowie unter Mitwirkung des Gospelchors „Amensingers“ aus Bingen-Büdesheim. Er steht unter dem Motto: „Reden ist Silber, Taten sind Gold“.

Danach wird der Musikverein Perscheid die Gäste unterhalten, bevor als Highlight die „Rhine River Ramblers“, eine Dixieland-Formation der US Army Europe Band aus Schwetzingen, dem Publikum einheizt.

Der Sonntag beginnt ebenfalls mit einem Gottesdienst, bei dem das Blasorchester die „Deutsche Messe“ von Franz Schubert aufführt. Anschließend geht es weiter mit Platzkonzerten der Musikvereine „Harmonie“ Halsenbach, Biebertal und des Mittelrheinischen Jugendblasorchesters Bad Salzig.

1927 fing alles an. Damals rief der musikbegeisterte Kaplan Peter Haus eine Blaskapelle ins Leben, die sich aus Mitgliedern des bestehenden Streichorchesters, Musikern der ehemaligen Feuerwehrkapelle und aus musikbegeisterten Jugendlichen zusammensetzte. Der damals unter dem Namen „DJK-Kapelle“ bekannte Verein zählte bereits nach wenigen Monaten 35 Musiker. Zum Üben traf man sich einmal pro Woche im Jugendheim an der Martinskirche. Dort finden auch heute noch die Proben statt. Der erste öffentliche Auftritt war am Sonntag, 28. April 1928, an dem das Orchester ein Platzkonzert auf dem Marktplatz gab und am Nachmittag bei der Wernerprozession mitwirkte.

Zwei Jahre nach Gründung wurde dem Blasorchester ein Trommler- und Pfeifenchor angegliedert. Kaplan Haus kümmerte sich nicht nur um neue Instrumente, sondern schaffte gleich auch neue Uniformen an. Die Finanzierung erfolgte mit Hilfe eines gespendeten Fuder Weins, den der rührige Priester und sein Orchester selbst in Flaschen füllten und bei Tanzveranstaltungen im Jugendheim ausschenkten. Nach dem Weggang von Kaplan Haus 1931 übernahm Pastor Rudolf Wies, ebenfalls ein Blasmusik-Fan, die Leitung der Kapelle, die jedoch als kirchlicher Verein mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten ihre Arbeit einstellen musste.

Nach dem 2. Weltkrieg waren es der damalige Senior der Oberweseler Kolpingsfamilie, Rudolf Becker, und der inzwischen verstorbene Gerhard Meyer, die auf Anregung von Pastor Wies die Tradition der Blasmusik in Oberwesel fortsetzten.
Gerhard Meyer formte mit seiner Erfahrung als Militärmusiker und Mitglied des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz das Kolping-Blasorchester zu einem viel beachteten Klangkörper. Die Konzerte im Jugendheim nach 1950 waren stets gut besucht und erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit.

Nach fast 40jähriger Dirigententätigkeit übergab Gerhard Meyer 1986 die Leitung an den jetzigen Dirigenten Alfons Kowalski. Mit dem ausgebildeten Musikpädagogen und Musiklehrer an der Kreismusikschule hat das Blasorchester einen hoch qualifizierten Nachfolger gefunden. Mit ihm konnte das Repertoire vor allem in Richtung moderner Unterhaltungsmusik erweitert werden.

Ob Weinfest, Kirmes, Karnevalsveranstaltung oder Weihnachtskonzert; ob Umzüge, Brauchtumsveranstaltungen oder kirchliche Feiern und Feste – die Kolping-Musiker sind das ganze Jahr über gefragt. Doch auch außerhalb der Heimatgrenzen erweist sich das Blasorchester der Kolpingsfamilie als Werbeträger für seine Heimatstadt, wie Auftritte in Köln, Trier, Wiesbaden oder Kerpen-Horrem beweisen.

„Weltbekannt“ wurde das Orchester, als es den amerikanischen Präsidenten George W. Bush 1989 mit dem Lied „Muss i’ denn“ aus seiner Heimatstadt verabschiedete. Auch bei Rundfunk- und Fernsehsendungen war man schon öfter mit von der Partie. Zu nennen sind hier die zweimalige Mitwirkung im SWF-4-Liveprogramm an „Tal total“ (1993 und 1996) sowie die Aufführung des „Bürgermeistermarschs“ in der ARD-Sendung „Kein schöner Land“ mit Günther Wewel. Und auch im Jubiläumsjahr wird der Verein einmal mehr im Fernsehen zu sehen sein. In der SWR-Sendung „Sonntagstour“, die im Oktober 2007 ausgestrahlt wird, geben die Kolping-Musiker mit dem Marsch „Von der Tann“ sowie der Filmmusik „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ eine Kostprobe ihres Könnens.

Die Geselligkeit kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz. Grillabende, Tagesausflüge für die Jugendlichen, bunte Familiennachmittage sowie mehrtägige Reisen nach Amsterdam, München oder Freiburg sind Ausdruck eines lebendigen und intakten Vereinslebens.
Um seine Zukunft muss der Verein nicht bangen, da er dank einer konsequent betriebenen Nachwuchsausbildung immer wieder Jungen und Mädchen für die Instrumentalausbildung begeistern kann. Zudem erhalten die Musikerinnen und Musiker finanzielle wie tatkräftige Unterstützung durch rund 160 fördernde Mitglieder.

Daneben finden sich erfreulicherweise immer wieder private Sponsoren, die dem Verein bei Instrumentenkäufen finanziell unter die Arme greifen. Damit ist das traditionsreiche Blasorchester der Kolpingsfamilie auf dem besten Weg, die Pflege der Blasmusik nicht nur fortzusetzen, sondern ihr auch frische, moderne Akzente zu verleihen.